Meine Depression & ich

Von außen wirkt mein Leben oft ganz unbeschwert. Ich lächle, ich bin für meine Freunde da. Und dann gibt es jene anderen Tage …

Manchmal trage ich an ihnen eine Maske, die verbergen soll, dass ich traurig bin oder mir gerade alles zu viel ist. An solchen Tagen fühlt sich mein Kopf oft an, als wäre er in Watte gepackt. Meine Gedanken sind zäh wie Sirup. Schon das Tippen eines einzigen Satzes scheint unmöglich. Aber das ist nur in meinem Kopf, und neu ist es auch nicht. Meine Depression begleitet mich schon seit meiner Jugend.

Oft scheint sie ohne Vorwarnung über mich zu kommen. Tatsächlich hat sich im Hintergrund aber meist schon einiges angestaut, das ich ignoriert habe, weil mir die Energie fehlte, mich damit auseinanderzusetzen. Ein Teil davon ist der Druck, den ich mir selbst mache. Viele Menschen mit Depressionen neigen zu Perfektionismus. Wir verlangen uns nicht 100 Prozent ab, sondern 120, 130, manchmal 150. Dabei gibt es keinen perfekten Text. Wir sind nun mal Menschen und damit die Definition von „unperfekt“

Dazu kommt das Grübeln. Einerseits gibt es mir Kontrolle: Es beruhigt, weil ich jede Möglichkeit durchdenke. Aber zu viel davon laugt mich aus. Dann wird daraus ein Gedankenkarussell, das nicht mehr anhält, und ich verbeiße mich ins Negative.

Aber ich weiß auch: Diese Phasen gehen vorbei. Immer. Was mir hilft, sind Gespräche mit der Familie, mit Freund:innen und Kolleg:innen. Und die Therapie. Es ist gut zu wissen, dass man nicht allein ist. Das macht die dunklen Phasen nicht besser, aber leichter.

Warum ich das erzähle? Weil es hilft, darüber zu reden. Weil ich nicht immer nur lächeln will, wenn mir nicht danach zumute ist. Weil ich mich nicht verstecken will.

Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann weißt du jetzt: Du bist nicht allein.

Sollte es dir gerade nicht gut gehen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111.